· 

Mehr Bärlin, weniger Hektik

Alle Jahre wieder steht die Adventszeit plötzlich da - einem längst in Vergessenheit geratenen Schokoladenweihnachtsmann gleich, der vor Ewigkeiten hinter den Schrank gefallen ist und uns beim Frühlingsputz plötzlich seinen roten Mantel keck ins Gesicht entgegenstreckt.

Schon im September erfüllt Kerzenschein unser Zuhause. Zaghaft werden etwas später schon die ersten Plätzchen mit bunter Streuselpracht überzogen. Voll sehnsüchtiger Vorfreude auf die kuschlige Gemütlichkeit harren wir aus, träumen und fiebern den 24 dunklen, zimtbestreuten Dezembertagen entgegen. Basteleien und buntes Papier warten ungeduldig auf ihren großen Auftritt, Lieder wollen wieder entstaubt und gesungen werden… 

Hinter knisternden Laubhügeln legen wir uns auf die Lauer, die besinnlichen Vorzeichen herbeisehnend, um dann, der Warterei müde geworden, in herbstlichen Kürbisfeldern und laternenfroher Geschäftigkeit zu verschwinden.

Und plötzlich, völlig unvorbereitet, trifft uns der erste Dezember auf der Straße, haucht ein warmes HALLO und verschwindet im Kerzenschein des Kranzes. Genau der Kranz, der steht natürlich nicht auf dem Tisch und genauso wenig sind alle Päckchen für den Adventskalender gefüllt. Der Wettlauf mit der Adventszeit beginnt. Schnell noch die restlichen Päckchen packen und wann wollen wir überhaupt Lebkuchenhäuschen backen?! Ach du heilige Schneeflocke,

da hat sich noch eine Schulweihnachtsfeier im Terminkalender versteckt. Die Kerzen sind alle, die Streusel aufgegessen, das Geschenkpapier noch gar nicht gekauft und was wollen wir überhaupt darin einwickeln?! Die Besinnlichkeit ruht sich im längst vergangenen September aus und schaut uns zusammen mit der Gemütlichkeit durch ein Fernrohr beim Hamsterradlauf zu. Wir laufen und laufen ohne anzukommen. Alles fehlt, alles ist zu viel, alles schmeckt und riecht nach verbranntem Weihnachtskeks mit verkohlter Zuckerglasur. Und die Zeit, die wir uns nehmen wollten, wird uns Stunde um Stunde genommen.

 

Vor etwa einem Jahr, inmitten dieser hellerleuchteten und nur so vom Stöhnen und Hetzen durchströmten »schönsten« Zeit des Jahres, saß ich eines dunklen Nachmittages, eingequetscht zwischen Tannengrün und Mistelzweigen, in der U-Bahn und die Stationen sausten nur so an mir vorbei.

Ach, wie gern würde ich nur austeigen und über die Oberbaumbrücke laufen oder einen Abstecher zum Tempelhofer Feld machen? Keine Zeit, keine Zeit, hallte da die Stimme des weißen Kaninchens, welches über die Buchseiten von ALICE IM WUNDERLAND lief. Ich hörte seine Taschenuhr deutlich in meinem Ohr ticken und genau in diesem Augenblick, an diesem dunklen Novembernachmittag, zwischen Alexanderplatz und Kottbusser Tor, schloss ich einen Pakt mit meiner adventsgeplagten Seele. Ich nahm mir vor, dem alltäglichen Stress einmal im Monat zu entsagen und durch Berlin zu schlendern, ohne Plan und ohne Ziel. Diese Stunden fern aller Realität, dem goldnen Lebensbaum so nah, habe ich dann in Illustrationen festgehalten. Diese zwölf Bilder werden mich, in Form eines Kalenders, durch das kommende Jahr begleiten; als kleine Erinnerung daran, dass da draußen eine bärenstarke Welt voller Geheimnisse wartet, ohne Stoppuhr erforscht und erlaufen zu werden. 

Und wer weiß, vielleicht kommen im neuen Jahr noch zwölf weitere Illustrationen dazu…

Schaut selbst, vielleicht motiviert er euch ja auch, dem Alltag zu entfliehen, mein BÄRLIN KALENDER 2019!

 

In diesem Sinne: habt es langsam und gemütlich!

 

 

Ana

Kommentar schreiben

Kommentare: 0