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Home sweet home

Das Leben zu fünft ist sicherlich kein Dasein auf einer einsamen Insel.

Während wir durch den Alltag pletschern, gilt es so manchen Schiffbruch zu verhindern.

Letztes Jahr als zwei unserer drei Lieblingsmenschen, gefühlt von heute auf morgen, zum spannungsgeladenen Alter der Pubertät hinüberschwammen, und die dritte Zauberfee damit begann, das Haus mit Schulrucksack zu verlassen, schien plötzlich alles zu eng, insbesondere die liebevoll gebauten Häuschen auf Stelzen, ritterliche Hochbetten für kriegerische Lumpenprinzessinnen und zauberartige Himmelbetten mit Blumenaussicht. 

Zusammengeschrumpelt wie eine Zwetschge nach einem zu langen Winter, sahen sie aus die Traumwelten unserer Kinder. Unendlich popelig. 

Fast so, wie Alice im Wunderland, nachdem sie den seltsamen Trunk aus dem Bauch des Fläschchens herausgesogen hatte und ihre Beine in die Ferne entschwanden, entschwanden märchenhafte Wünsche früherer Kindertage. Räumchen wie Träumchen, aber eben Träumchen von Winzlingen mit Zipfelmützen,Superheldenumhängen und Zauberstäben. 

 

Entsetzen machte sich in die Magengrube breit, wie eine riesige, kratzige Picknickdecke. Wände einreißen, alles hinschmeissen, das blutende Elternherz

mit den zahlreichen Erinnerungen an gemütlichen Lesestunden, lauten Kämpfen, tränenreichen Versöhnungen, festgehalten zwischen vier Wänden, rausreißen?

Oder einfach nur umstellen, sorgfältig planen, tauschen, Lieblingsmenschen und Lieblingsplätze im Haus neuordnen…

Ein Wechselbad der Emotionen spülte uns hinaus in den Sommer und schob die unliebsame Entscheidung erst einmal in ein winziges Mauseloch, in der Hoffnung, eine Maus würde es dort entdecken und die löchrige Konsistenz genüsslich vernichten. 

Freiheit, Fahrradausflüge, Badeseen. Draußen war genug Platz für alle…

Aber sobald die ersten Blätter unter unsere Füße zu knistern begannen, war klar, es ist kalt, es ist grau, es braucht eine Lösung. Unsere Töchter waren über Sommer nicht geschrumpft und mit Zipfelmützen aus den Ferien zurückgekehrt. Zwischen Sonnenstrahlen und Badeanzügen eingezwängt, hatten wir auch gemerkt, das eine Veränderung von Nöten war, nicht ohne einige Augenflüssigkeit unter dem klaren Sommerhimmel wegzuwischen.

Wir schauten uns lange um, schoben hin, schoben her, stellten alles auf den Kopf, schafften Stauraum hier, versetzten Holzwände dort. Die Quadratmeter rannen uns nur so durch die Finger.

Das zu klein gewordene Stelzenhäuschen wurde an die kleinste Kriegerin vererbt. Die Kriegerin gab dafür ihre Spielecke frei, damit wir dort ein größeres Jugendzimmer zaubern. Am Ende der Planung und der Schufterei war ein tolles Stelzenhäuschen mit Bühne für abendliche Vorführungen für die Kleinste, ein neuer Lernraum für die Mittlere und ein Rückziehort mit Chillzone für die große Lieblingstochter in Sicht. Mein Atelier hat auch einige Möbelstücke durch das Umräumen dazugewonnen und erstrahlt nun in neuem Glanz.

 

Ein Happy End unserer vorerst langen Abenteuerfahrt durch die Stürme der Zeit also?

Garantiert nicht, der Wellengang wird sicherlich nicht sanfter, aber wenigstens haben wir nun genug Platz, um vor Stürmen, zumindest für eine kurze Weile, auszuweichen, um neue Energie im Kampf mit den Gezeiten zu tanken und unseren Kindern beim Wachsen zuzuschauen und neue Augenflüssigkeit zu sammeln, für die Zeit danach.

 

 

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